Traditionelle Heilkunst und New Wave Ayurveda: Ein Plädoyer für Zusammenhalt

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit meiner kleinen Werbetour „Ayurveda & Kaffee“ für so viel Aufmerksamkeit sorge. Sogar ein sehr anerkannter Ayurveda-Arzt ist gekommen, um mich zu sehen! Ein bisschen unglücklich war, dass ich ihn nicht erkannt habe.

Er saß also über eine Stunde lang im Publikum und ich dachte, er sei einer von den Gästen, die mit Ayurveda so gar nichts am Hut haben. Ich gab eine Stunde lang mein Bestes, um meine Gäste für Ayurveda zu begeistern und zu inspirieren, ein paar Babysteps in Richtung „Agni stärken“ zu gehen, auf ihren Körper zu hören und Selbstverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. 18 Leute waren da. Ich war überglücklich - so viele Leute! Und ich habe mich total wohl gefühlt, über mein Herzensthema Ayurveda zu sprechen.


Bis die Fragerunde kam, die mich völlig aus der Bahn geworfen hat.


Der Ayurveda-Arzt meldete sich zu Wort, um mir eine Frage zu stellen in Richtung Prakriti und Vikriti – dem Unterschied zwischen unveränderlicher Grundkonstitution und aktueller Situation (Ungleichgewicht der Doshas). Ich habe nicht verstanden, was er mir sagen wollte. Ich konnte seine Frage nicht beantworten. Beim ersten Mal nicht. Beim zweiten Mal nicht. Und auch beim dritten und vierten Mal nicht. Um mich zu erlösen, gab er sich zu erkennen. Ein Arzt aus dem Ursprungsland, studierter Ayurveda-Mediziner mit jahrzehntelanger Erfahrung. Nicht weit von hier ansässig uns praktizierend. Am liebsten wäre ich im Boden versunken.


Er gab mir den wertvollen Hinweis, dass mein Vortrag den Eindruck mache, man müsse seine Grundkonstitution ausgleichen, nicht das Ungleichgewicht der Doshas in einem Zustand der Dysbalance (in dem sich 99% von uns immer wieder befinden). Und damit hatte er Recht. Auf ihn musste das wirken, als fehle es mir an Wissen und an sehr viel Erfahrung. So wirkte es dann auch auf meine Gäste. Zumindest bildete ich mir das in dem Moment ein.


So gut es ging versuchte ich noch, voll Scham und plötzlicher Selbstzweifel, meine mit Liebe konzipierten Workshops zu bewerben. Die Einzelberatungen, die ich auch anbiete, habe ich dezent unter den Tisch fallen lassen.


Weise Gurus versus hippe Ayurveda-Youngsters?

In einem anschließenden Gespräch unter vier Augen wurde mir klar, wo der Hund begraben liegt: Mit der traditionellen Ayurveda-Medizin und ihren Vertretern und den hippen „New Wave“ oder „Modern Ayurveda“-Youngsters prallen zwei Welten aufeinander. Wissensschatz und Heilkunst versus Gesundheitstrend, der sich prima vermarkten lässt?


Klar ist: Die „Neuen“ aus dem Westen können den traditionellen indischen Heilern im Bereich Wissen und Erfahrung niemals das Wasser reichen. Sie treten völlig anders auf - outgoing, lässig und modern. Sie vermarkten sich in Social Media, werfen Bücher und Kochfibeln auf den Markt und werden in Podcasts millionenfach gehört. Und sie verbreiten vielleicht sogar die ein oder andere „Unwahrheit“, haben den Ayurveda-Spirit nicht mit der Muttermilch aufgesaugt oder erklären das ayurvedische System nicht in seiner vollen Tiefe. Plötzlich soll das wertvolle Wissen, das die Mediziner in intensiven Ausbildungen lernen und mit viel Erfahrung in ihren Praxen weitergeben, für jedermann zugänglich sein?


Ich kann mir vorstellen, dass das den Ayurveda-Medizinern sauer aufstößt. Da kommen dann Hilfesuchende in die Praxis, die erklären wollen, dass sie ihre Konstitution schon genau kennen, weil sie das im Podcast xy gelernt und im Dosha-Test im Internet verifiziert haben.


Unüberwindbare Kluft oder Chance für beide Seiten?

Es ist nicht das erste Mal, dass mir diese Kluft zwischen traditionellem und modernem Ayurveda auffällt. Auch in einem Gespräch mit einer lieben Kollegin aus dem Nachbarort, die ein Ayurveda-Atelier betreibt, kamen wir darauf zu sprechen. Eine meiner Anfragen für Ayurveda & Kaffee bei einem Café mit ayurvedischem Hintergrund in der Region wurde abgelehnt, weil die Betreiberin nicht dahinter stehen konnte, dass ich nur ein Fernstudium gemacht habe, nie in Indien war und mir die Erfahrung fehle. Und ich erinnere mich an eine Podcast-Folge von Dana (Ichgold) Schwandt, in der sie ihre Selbstzweifel ob ihrer mangelnden Ausbildung und Erfahrung ganz offen ansprach. Damals dachte ich: „Dana, du musst an deinem Mindset arbeiten“. Heute ertappte ich mich selber dabei, dass ich mir die #darfsiedas-Frage stelle.


Und ich komme zu dem Schluss:

JA, ICH DARF DAS!


Inspiration statt Heilversprechen

Ich darf Menschen inspirieren, Ayurveda in ihr Leben zu lassen, um damit ihre körperliche und mentale Kraft zu entdecken. Ich muss nicht in Indien gewesen sein, Medizin studiert haben oder Krankheiten heilen können. Es geht um Inspiration. Um Selbstverantwortung für die Gesundheit. Um Intuition. Um Selbstliebe. Es geht darum, Menschen einen alternativen Weg aufzuzeigen. Denn schon wenige Basics aus dem Ayurveda können dein Leben verändern!

Diese Erfahrung habe ich gemacht. Am eigenen Leib. Ich konnte mich mit dem Wissen, das ich mir über Podcasts und in meinem Studium angeeignet habe, wieder in Balance bringen und meine Alltagsbeschwerden in den Griff bekommen. Und ich freue mich über jeden Fortschritt meiner Klienten, die den Ayurveda-Lifestyle und die Ernährung begeistert in ihren Alltag integrieren. Weil das nicht nur cool ist, sondern ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden wirklich auf ein neues Level anhebt. Und letztendlich in der gesamten Lebensgestaltung, im Lifedesign, voll nach vorne losgehen kann!


Prävention mit modernem Ansatz und Heilung mit Tradition: Perfect Match!

Und ich bin überzeugt davon, dass sich der moderne New Wave-Ayurveda und die traditionelle Ayurveda-Medizin gegenseitig befruchten! Immer mehr Menschen wollen aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Prävention betreiben. Immer mehr Menschen suchen nach alternativen und natürlichen Heilmethoden. Immer mehr Menschen öffnen sich Ansätzen wie dem Ayurveda. Und sie werden auf Ayurveda aufmerksam. Durch Dana Schwandt, Dr. Janna Scharfenberg, die Mädels von Prana up your life, Volker Mehl und Tasty Katy. Wie cool ist das denn!? Vielleicht können die traditionellen Ayurveda-Mediziner, die Ausbildungen für die Prana-Girls von morgen anbieten, von genau jenen Schülerinnen und Schülern ja auch ein bisschen was über lernen? Über Marketing? Über Coaching? Über Wissensvermittlung? Über Inspiration? Und im Gegenzug lernen wir von euch etwas über die Geheimnisse des Ayurveda, seinen Kern, seine Seele?


Ist es nicht Kern der Seele des Ayurveda, dass wir alle miteinander verbunden sind und uns gegenseitig in unseren Herzensthemen unterstützen sollten? Voll Liebe und Respekt?


Ich denke, das ist ein gutes Schlusswort.






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